"Wer älter wird, der wird nicht aufhören zu spielen. Aber wer aufhört zu spielen, der wird älter."
(George Bernard Shaw, irischer Dramatiker)
"Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr."
(Platon, griechischer Philosoph)
"Gerade um wertvolle Arbeit zu tun, muss man spielen, das heißt basteln, versuchen, experimentieren."
(Emanuel Lasker, Schachgroßmeister, Mathematiker und Philosoph)
Warum spielen wir? Shaw, Platon und Lasker haben drei ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage. In jeder von ihnen steckt etwas, was wir selbst schon einmal beim Spielen erfahren haben. Nehmen wir einmal eine Brettspiel-runde mit Freunden an einem Winterabend: Während draußen die Kälte klirrt, sitzen wir drinnen im Warmen um einen hell erleuchteten Tisch und denken konzentriert über unseren nächsten Zug nach. Wir sind so tief in das Spiel versunken, dass Zeit und Ort völlig hinter dem Geschehen auf dem Spielbrett zurücktreten. Vielleicht ist in der Runde ein Mitspieler, den wir vorher noch nicht persönlich kannten. Ist er wagemutig oder vorsichtig, einfallsreich oder lieber auf bewährten Pfaden unterwegs? Zug um Zug lernen wir, ihn besser einzuschätzen. Vielleicht schauen wir uns auch die eine oder andere Strategie von ihm ab und kombinieren diese dann mit unserer eigenen Spielerfahrung.
"Spieltrieb" nennt die Wissenschaft das Sozialverhalten, das dem Menschen und allen anderen Säugetieren angeboren ist. Schon in der frühkindlichen Phase lässt er uns die Umwelt erforschen und begreifen - ein Reifeprozess, der unabdingbar ist für unsere Persönlichkeitsentfaltung. Motorische und kognitive Fähigkeiten werden geschult, soziale Kompetenzen erworben und Gefühle ausgebildet. Spielen ist hier Lernen nach Versuch und Irrtum (Trial and Error): Man lotet gewissermaßen die Spielregeln des Lebens aus - ein Verhalten, das sich auch im Tierreich hervorragend beobachten lässt: Wenn Wolfswelpen mit ihren Artgenossen herumtollen und dabei zubeißen, lernen sie spielerisch die Jagd und das Verteidigen des eigenen Ranges.

