Tatsächlich ist die enorme Bedeutung digitaler Spiele für heutige Kinder nicht mehr zu übersehen. Nach Zahlen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest spielten im Jahr 2006 hierzulande 90 Prozent der 12- bis 13-Jährigen Computer- und Videospiele. Also fast jeder. Und die Branche boomt weiterhin. Zusätzlich zu dem Kernmarkt der Jugendlichen erschloss die Games-Industrie durch neue Konsolen wie die Wii, vor allem aber durch den Nintendo DS immer stärker auch jüngere Kinder als Zielgruppe.
Und so beginnt das, was Pädagogen als "Medienkindheit" bezeichnen, dank Computerspielen immer früher: Schon in vielen Grundschulklassen besitzt die Mehrheit der Schüler heute DS-Konsolen, und mit zunehmendem Alter kommen dann in einer lückenlosen Zockerkarriere nach und nach Playstation, Xbox oder PC hinzu. Nun ist es eigentlich zentrale Aufgabe der Schule, Heranwachsende in die Lage zu versetzen, mit dieser Lebenswelt umzugehen. "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir", heißt es. Und in der Medienpädagogik wird heute allerorten die Förderung von "Medienkompetenz" gefordert: Kinder sollen lernen, souverän Medientechnologien zu beherrschen, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen, selbstbestimmt aus Medienangeboten auszuwählen und selbst Medieninhalte zu produzieren. Gemessen an der Hochkonjunktur des Begriffes müsste eigentlich längst an jeder Schule der Umgang mit Games gelehrt werden.
Und doch ist Marco Fileccia mit seinem Unterrichtsmodul allein auf weiter Flur: "Wenn Sie bei ihren Recherchen noch auf einen anderen Lehrer stoßen, der auch etwas in die Richtung macht", sagt er beim Abschied, "geben Sie mir doch bitte Bescheid. Ich wäre an einem Austausch sehr interessiert."
Trotz aller Forderungen nach Medienkompetenz macht das deutsche Schulwesen um Computerspiele noch immer einen weiten Bogen. Zu tief sitzt der Pisa-Schock, und zu sehr hat die "Killerspiel"- und "Medienverwahrlosungs"-Debatte der vergangenen Jahre in die Köpfe vieler Pädagogen die Überzeugung eingeimpft, dass Computerspiele nur gewalttätiger, dicker und dümmer machen können.


