E-Sport und die Wissenschaft

Die Wissenschaft sieht das anders. Wie Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Kommunikationswissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Computerspieleforscher. Der ehemalige Badminton-Leistungssportler hat sich mit E-Sports intensiv auseinandergesetzt. "Ein professioneller E-Sportler trainiert mindestens acht Stunden am Tag. An Wettkampftagen hat er Hormonausschüttung und Puls, die mit den Werten der Top-Athleten mithalten können. In zahlreichen Reaktionstests sind E-Sportler ›normalen‹ Sportlern deutlich überlegen", so Müller-Lietzkow. Insgesamt gesehen sei das Wissen über Training im E-Sport aber gering. Deutliche Parallelen zum herkömmlichen Sport gebe es aber in Bereichen wie Wettkampfcharakter, mediale Verwertbarkeit oder Strukturen der E-Sports-Szene. Fazit: "In der Gesamtheit überwiegt die Mehrzahl der Indikatoren dafür, dass E-Sports Sport ist", stellt der Wissenschaftler fest. Dafür spricht schon die tägliche Trainingszeit der Profis. E-Sportler spielen in verschiedenen Klassen und die Auslese ist hart. Wer gut ist, kann viel Geld verdienen. Und schauen deutsche E-Sportler nach Asien, bekommen sie glänzende Augen. Dort ist die kulturelle Akzeptanz von E-Sports selbstverständlich. In Korea, was als das Mekka des digitalen Sports gilt, zeigen zwei Fernsehkanäle nichts anderes als E-Sports. Sie schalten sich live in die Spiele ein und der Zuschauer kann parallel den Wettkampf zweier Spieler verfolgen. Besonders beliebt ist "Kart-Rider": 2005 starteten mehr als zehn Millionen registrierte Spieler dort Überholmanöver; viele verbringen damit mehrere Stunden täglich. Um Sponsor der Sendungen zu sein, sind manche Unternehmen bereit, bis zu 100.000 Dollar zu zahlen, denn die Rennen der höchsten Spielklasse werden zur besten Sendezeit übertragen. Die Stars der asiatischen E-Sports-Szene verdienen mit Werbegeldern bereits so viel wie Fußballer in Deutschland. Proficlans kaufen sich gegenseitig die Spieler weg und erfolgreiche E-Sportler werden in Asien angehimmelt. Der chinesische Sportverband hat E-Sports ganz offiziell als Sportart anerkannt. Die Chinesen, Ausrichter der Olympischen Spiele 2008 in Peking, diskutieren intensiv und auf höchster Ebene, ob E-Sports ins nichtolympische Rahmenprogramm der Spiele aufgenommen werden soll. "Wenn Schießen in allen möglichen Variationen, zum Beispiel auf Tontauben, olympisch ist, dann hat E-Sports eine berechtigte Chance auf Nominierung", sagte Dennis Schellhase Mitte August 2005 in einem "SPIEGEL"-Interview.

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