Welchen kulturellen Wert haben Computerspiele? Sind sie reine Unterhaltungsprodukte ohne kulturellen Anspruch oder eröffnen sie neue Dimensionen des künstlerischen Ausdrucks?

Dass Musik, bildende Kunst und Literatur zentrale Bestandteile unserer Kultur sind, bezweifelt wohl niemand. Computerspiele vereinen alle diese kulturellen Genres: An der Entwicklung eines Spiels sind Drehbuchautoren ebenso beteiligt wie Designer und Komponisten. Für das aktuelle Top-Thema ist die Initiative „Spielen Verbindet“ der Kulturdiskussion auf den Grund gegangen. Entstanden ist eine Agenda mit Veranstaltungen und Ereignissen, die für die kulturelle Betrachtung von Computerspielen prägend waren und sind. Kommendes Highlight: Das Living Games Festival, das vom 10. bis zum 13. Juni in Bochum stattfindet. Zum Ende des Jahres öffnet dann nach mehrjähriger Pause das Berliner Computerspiele Museum erneut seine Pforten. Gamer der ersten Stunde können sich auf nostalgische Momente freuen, Eltern tauchen mit ihren Kinder in die Faszination der Games-Welt ein und erfahren, wie Computerspiele zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft geworden sind.

Computerspiele und Kultur

Living Games Festival in Bochum

Wie ein Computerspiel entwickelt wird und welche anderen Kunst- und Kulturformen an der Entstehung beteiligt sind, darauf konzentriert sich das diesjährige Living Games Festival. Vom 10. bis 13. Juni 2010 findet es im Rahmen des RUHR.2010 Kulturprogramms statt. Für die Kulturhauptstadt Europas 2010 zählen Computerspiele damit ganz klar zur Kultur. Als erstes Kulturfestival in Europa widmet sich Living Games ausschließlich Computer- und Videospielen. Es spricht Eltern, Pädagogen, Kulturschaffende, Journalisten und natürlich Spieler an und möchte die Videospielkultur einer breiten Öffentlichkeit nahe bringen. Zum ersten Mal fand das Festival im Juni 2008 statt; mit der Veranstaltung in der Bochumer Jahrhunderthalle soll nun eine Serie eingeläutet werden.


Neben den kulturellen Aspekten von Computer- und Videospielen wird sich das Living Games Festival 2010 auch mit dem Thema Jugendschutz und Gesellschaft befassen und eine Bühne für den Meinungsaustausch bieten – Gesprächskultur rund ums Thema Computerspiele also. Außerdem erhalten Nachwuchs-Spieleentwickler die Möglichkeit, ihre Projekte vorzustellen, mit ihrer Zielgruppe zu diskutieren und Kontakte zu Fachleuten zu knüpfen.


Einer der Höhepunkte des Living Games Festivals ist die Verleihung des Living Games Award. Mit dem Preis wird das Spiel ausgezeichnet, das in den vergangenen zwölf Monaten weltweit den größten Einfluss auf die Kultur hatte. Dabei hat das Publikum die Möglichkeit, die Qualität der nominierten Spiele mit der Jury zu diskutieren und so Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen.

Ein Museum für Computerspiele

Museen sind Orte, an denen Kultur bewahrt wird. Kein Wunder also, dass auch Computerspiele hier zuhause sind. Den kulturellen Wert von Computerspielen erkannten die Gründer des Berliner Computerspiele Museums (Verlinkung) schon 1997. Damals eröffneten sie die weltweit erste ständige Ausstellung zur digitalen interaktiven Unterhaltungskultur, die bis zum Jahre 2000 zu sehen war. Außer dieser Dauerausstellung organisierte das Museum 31 weitere nationale und internationale Ausstellungsprojekte zur Computerspielkultur.

Zum Ende des Jahres öffnet das Berliner Museum nach mehrjähriger Pause erneut seine Pforten und zeigt die Dauerausstellung: „Computerspiele – Evolution eines Mediums.“ Gamer der ersten Stunde können sich auf nostalgische Momente freuen, Eltern tauchen mit ihren Kinder in die Faszination der Games-Welt ein und erfahren, wie Computerspiele zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft geworden sind. 


Ausführliche Informationen zu der neuen Ausstellung finden Sie in einem Interview mit Andreas Lange, Leiter des Computerspiele Museums.

Ritterschlag durch den Deutschen Kulturrat

Im Grunde wurde die Frage, ob Computerspiele Kultur sind, bereits im August 2008 von einem der höchsten kulturellen Gremien entschieden. Damals nahm der Deutsche Kulturrat den Bundesverband der Entwickler von Computerspielen – kurz G.A.M.E. – in die Sektion „Film und audiovisuelle Medien“ auf und erteilte den Spieleentwicklern somit den kulturellen Ritterschlag. Der Deutsche Kulturrat begründete seine Entscheidung damit, dass die Computerspielbranche Künstler unterschiedlicher Sparten beauftrage. Das tut sie sogar in großem Rahmen, denn der Markt für Computerspiele wächst seit Jahren und hat mittlerweile eine ebenso große Bedeutung wie der Musik- und Filmmarkt.

 

In einem exklusiven Interview mit Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, sind wir der Frage „Computerspiele – Kultur oder Kommerz?“ nachgegangen.

A MAZE: Zusammentreffen der Künste

Ende Januar 2010 fand in Berlin das Kunstfestival „A MAZE. Interact“ statt, bei dem der Zusammenfluss von Kunst, Musik und Computerspielen diskutiert und dargestellt wurde. Während beim Living Games Festival der gesamte Entstehungsprozess von Computerspielen und deren Einfluss auf die Gesellschaft im Mittelpunkt steht, liegt der Schwerpunkt bei A MAZE. Interact klar auf der Interaktion künstlerischer Ausdrucksformen. Zielgruppe der Veranstaltung sind vor allem Künstler und Fachleute sowie die an Musik, Computerspielen und Medien interessierte Öffentlichkeit.

 

Aktuelle Informationen zum nächsten A MAZE. gibt es ab dem 15. Juli 2010 unter folgendem Link.

Stilprägend für andere kulturelle Genres

Technologie und Ästhetik des Computerspiels prägen immer mehr auch andere kulturelle und künstlerische Ausdrucksformen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist James Camerons Erfolgsfilm Avatar. Bei der Produktion setzte Cameron eine speziell entwickelte Kamera ein, auf der er die computergenerierten Welten, in die das Spiel der Darsteller eingebettet wurde, in Echtzeit sehen konnte. Cameron verglich den Effekt gegenüber der New York Times mit einer „gigantischen, leistungsstarken Game Engine“.
Schnitte, Perspektiven und Kamerafahrten wie im Computerspiel sind mittlerweile verbreitete Stilmittel in modernen Actionfilmen. Doch auch das Theater greift Prinzipien der Spielewelt auf: In Berlin brachte die Künstlergruppe Rimini Protokoll kürzlich das Projekt „Best Before“ auf die Bühne, bei dem das Publikum mittels Game-Controllern kugelförmige Avatare steuern konnte, die auf einem großen Bildschirm angezeigt wurden. Die Entscheidungen der Spieler beeinflussten – wie bei Computerspielen üblich – das Schicksal ihrer Avatare.

Deutscher Computerspielpreis: offizielle Weihen

Dass Computerspiele als Kulturgut in Deutschland angekommen sind, zeigt auch der  Deutsche Computerspielpreis, der vom Kulturstaatsministerium sowie von den Branchenverbänden BIU, BVDW und G.A.M.E. jährlich vergeben wird. Zu seiner Gründung haben die Bundesregierung und der Bundestag offiziell erklärt, dass sich Computerspiele „zu einem bedeutenden Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens“ entwickelt haben. Ausgezeichnet werden deutsche Spieleproduktionen in neun Kategorien; für das beste internationale Spiel gibt es einen Sonderpreis. Im April 2010 wurde der Deutsche Computerspielpreis zum zweiten Mal verliehen. Die Galaveranstaltung fand im Rahmen der Deutschen Gamestage statt, die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal vom Medienboard Berlin-Brandenburg initiiert wurden.

 

Ausführliche Informationen zum Deutschen Computerspielpreis 2010

Who is Who der Verbände


Deutscher Kulturrat: Im deutschen Kulturrat sind mehr als 200 Kulturverbände in acht Sektionen zusammengeschlossen. Der „Spitzenverband der Kulturverbände“ versteht sich als Ansprechpartner für Politik und Verwaltung des Bundes.

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BIU: Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. ist die Interessengemeinschaft der Anbieter und Produzenten von Unterhaltungssoftware in Deutschland. Als Ansprechpartner für Medien und gesellschaftliche Institutionen möchte er die Branche Interessierten näher bringen.

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G.A.M.E. (Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V.): Der Verband der Computerspiele-Entwickler steht auch Produzenten, Publishern und Zulieferern offen und setzte sich für eine Imageverbesserung der Branche sowie um eine Verbesserung der Produktionssituation in Deutschland ein.

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BVDW: Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. ist die Interessenvertretung für Unternehmen im Bereich interaktives Marketing, digitale Inhalte und interaktive Wertschöpfung. Sein Ziel ist es, Effizienz und Nutzen digitaler Medien transparent zu machen und so den Einsatz in der Gesamtwirtschaft, Gesellschaft und Administration zu fördern.

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