„Spielend lernen“ ist schon lange ein Ideal der Pädagogik. Im Spiel ist der Geist sowohl entspannt als auch aufmerksam und damit aufnahmebereit. Das ist auch bei Computerspielen der Fall. Aber sollte die Schule nicht lieber ein computerspielfreier Raum sein? Welche Vorteile bieten Computerspiele im Unterricht?

 

 

Interview mit Jürgen Bänsch

Herr Bänsch, können Sie uns etwas zum Anlass der Studie sagen?

Der Vorgänger von „Games in Schools“ war 2005 das Projekt „Teaching with Games“ der ISFE in Zusammenarbeit mit FutureLab. Wir haben 5 britische Schulen besucht, um uns zu erkundigen, wie die Lehrer Videospiele im Unterricht gebrauchen.
2008 hatte die ISFE genug Spielraum in ihrem Budget, um eine umfangreiche Studie durchzuführen. In Zusammenarbeit mit European Schoolnet haben wir dann Games und ihren positiven Nutzen für den Schuleinsatz untersucht und dargestellt.

Können Sie uns kurz einen groben Überblick über das Projekt Games in Schools geben? Was wurde untersucht? Wie wurde es untersucht?

Der erste Schritt war eine Literaturstudie. Durch intensive Analyse der bestehenden Fachliteratur wollten wir den aktuellen Stand der Praxis herausfinden. Es war für uns wichtig zu sehen: Wo stehen wir heute? Von diesem Wissen ausgehend haben wir dann zusammen mit European Schoolnet eine Umfrage unter ca. 600 Lehrern aus 8 verschiedenen Ländern durchgeführt, in denen sie nach ihrer Meinung in Bezug auf die Verwendung von Computerspielen in der Schule befragt wurden. Anschließend daran gab es einige Fallstudien, um ganz konkret zu ermitteln, welche Spiele eingesetzt werden, wie sie genutzt werden und wie die darauf Schüler reagieren. Im letzten Schritt haben wir Interviews mit Entscheidungsträgern aus Bildung und Politik geführt, um uns über Nutzen und Machbarkeit von Computerspielen im Unterricht aus deren Perspektive zu erkundigen.

Was sind die Vorteile spielbasierten Lernens gegenüber dem klassischen Frontalunterricht?

Bei den meisten Lehrern ergibt sich ganz deutlich, dass die Motivation der Schüler bei Einbeziehung eines Spiels in den Unterricht deutlich höher ist. Manche Lehrer haben auch gesagt, dass es den Schülern ein höheres Selbstvertrauen gibt, weil sie dann mit etwas beschäftigt sind, dass sie gut können und darüber hinaus auch privat erworbenes Wissen erfolgreich in den Unterricht einbringen können. Zudem werden Reflexe, soziale Kompetenzen und Kreativität gefördert. Einige Lehrer kombinieren zudem das neue Unterrichtsmaterial Games mit klassischen Unterrichtsmaterialien wie Filme oder Bücher.

Gab es Vorbehalte oder Vorurteile gegenüber Spielen im Unterricht?

Vor allem ältere Lehrer, die keine Kenntnisse oder Erfahrungen mit Games haben, waren skeptisch. Bei ihnen wäre wahrscheinlich das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer vertauscht, da die Schüler aus privatem Interesse heraus bereits ein viel umfangreicheres Wissen zu dem Thema haben. Auch Eltern standen Games als seriöse Beschäftigung im Unterricht teilweise kritisch gegenüber. Daraus ist dann auch das Handbuch („Digital Games in Schools: A Handbook for Teachers“) entstanden, welches Informationen und Hilfe zur Benutzung von Games im Unterricht beinhaltet.
 
Können Sie das Ergebnis der Studie kurz zusammenfassen?

Es gibt mehr und mehr Lehrer, die Games im Unterricht gebrauchen. Eine Schwierigkeit ist dabei jedoch die Integration ins Curriculum, da dieses immer noch recht stark auf den Frontalunterricht und den gelegentlichen Einsatz von Filmen ausgelegt ist. Das ist ein großes Problem. Ein Hindernis für die Verwendung von Computerspielen ist die mangelnde Ausstattung. Sehr viele Schulen haben alte PCs und können die Spiele ganz einfach nicht darauf spielen. Noch schwieriger wird es bei Videospielkonsolen. Deren Anschaffung ist für Schulen nur schwer zu rechtfertigen. Ein drittes Problem sind natürlich Vorbehalte, die immer noch bestehen, vor allem bei älteren Lehrern.

Gibt es eine Homepage zu dem Projekt? Gibt es Informationsmaterial zur Verwendung von Computer- und Videospielen im Unterricht auf Deutsch?

Die englische Homepage des Projektes „Games in Schools“ kann man unter folgendem Link erreichen. Die deutsche Version des Lehrerhandbuches ist frei zum Download erhältlich. Auf „Teachtoday“, einer Initiative verschiedener Unternehmen in Bezug auf neue Medien und Unterricht, findet man eine Vielzahl von Informationen zu deren Verwendung.

Wie geht es weiter mit dem Projekt „Games in Schools“?

Im Vordergrund werden jetzt zunächst die Kommunikation über die Ergebnisse der Studie und das Handbuch stehen. Wichtig ist, dass die Schulen mit diesem Handbuch in Kontakt kommen. Dabei sind wir besonders auf die Unterstützung der Lehrer angewiesen, die positive Erfahrungen mit dem Einsatz von Computer- und Videospielen im Unterricht an ihre Kollegen weitergeben.

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Jürgen Bänsch ist bei der ISFE für die Koordination der Europaangelegenheiten zuständig. Er entwickelt die politischen Strategien und betreut das Management aller Europäischen Projekte. Nach seinem Abschluss in Geschichte studierte er Europapolitik an der Katholischen Universität in Leuven. Vor seiner Tätigkeit bei der ISFE arbeitete Jürgen Bänsch bei EAMTM, einem in Brüssel ansässigen Handelsverband der Europäischen Maschinenbauindustrie und bei IP-Globalnet, einem Unternehmen aus der internationalen Kommunikationsbranche.