Serious Games – Spiele mit ernsten Absichten
Computerspiele dienen vor allem der Unterhaltung. Richtig? Nicht ganz. Die so genannten “Serious Games” setzen zwar auch auf den Spaßfaktor. Das vorrangige Ziel dieser lernorientierten PC-, Video- und Konsolenspiele besteht jedoch darin, Wissen, Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Dadurch unterscheiden sie sich sowohl von Unterhaltungsspielen, bei denen Lerneffekte erwünscht, aber nicht vorrangig sind, als auch von klassischer Lernsoftware, die manchmal mit spielerischen Elementen arbeitet, aber keinen wirklichen Spielcharakter hat. Serious Games hingegen bieten eine spielbasierte Lernumgebung: Die Spieler lösen Aufgaben, die ihnen auch in der Wirklichkeit begegnen und erkennen anhand von Simulationen die Auswirkungen ihrer Entscheidungen. So lernen sie nicht nur den bestmöglichen Lösungsansatz kennen, sondern können sich auch mittels Highscores oder anderen Leistungsindikatoren mit ihren “Gegnern” bzw. Mitspielern vergleichen.
Vielfältige Einsatzgebiete
Die ersten Serious Games wurden bereits in den 80er Jahren für das amerikanische Militär entwickelt. Mittlerweile finden die “ernsten Spiele” in den unterschiedlichsten Gebieten Verbreitung. Universitäre Fachbereiche von Bauingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften über Informatik bis hin zu Psychologie setzen Serious Games in der Lehre ein. Auch für Unternehmen bieten sie praktisch unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten. So gibt es bereits Serious Games, die Mitarbeiter im Umgang mit Kunden schulen, die Führungsstärke von Managern stärken und Prozessabläufe in der Ölindustrie vermitteln.
Motivation und Teamarbeit – Vorteile von Serious Games
Dabei punkten Serious Games nicht nur mit praxisnaher Wissensvermittlung. Durch ihren Spielcharakter ziehen sie den Nutzer stärker in ihren Bann, als es andere computergestützte Lerninstrumente können. Während klassische Lernsoftware und auch E-Learning oft damit zu kämpfen haben, dass die Motivation der Lernenden mit der Zeit immer weiter sinkt, hält der Reiz von Serious Games sehr viel länger an – schließlich gilt es nicht nur, etwas zu erlernen, sondern auch, die gestellten Aufgaben im Wettbewerb mit anderen Mitspielern zu bewältigen. Dies kann auch in Teamarbeit mit anderen Spielern geschehen, und hier zeigt sich ein weiterer Vorteil von Serious Games: Für die Teambildung ist es völlig unwichtig, wo sich die Spieler befinden. So können z.B. Mitarbeiter unterschiedlicher Standorte gemeinsam geschult werden, ohne dass Reisekosten anfallen. Die Interaktion zwischen den einzelnen Spielern im Serious Game ist außerdem oft lebhafter und natürlicher als zum Beispiel beim E-Learning, da sich alle in derselben, virtuellen Spielumgebung aufhalten.
Die Grenzen zum “Real Life” verwischen
Serious Games sehen zwar aus und funktionieren wie Spiele, beziehen sich aber auf eine Wirklichkeit außerhalb des Spiels, auf Ereignisse und Abläufe, die im Spiel simuliert und manipuliert werden und nach real existierenden Regeln reagieren. Das echte Leben ist im Serious Game jedoch mehr als nur realitätsnahe Simulation. Durch die Einbindung von spielexternen Kommunikationswegen – z.B. E-Mail und SMS – können Serious Games auch in den (Arbeits-)Alltag jenseits des Spiels hineinreichen. So werden angehende Projektleiter beim Projektmanagement-Spiel “Sharkworld” per SMS über den Stand ihres “Spielprojekts” auf dem Laufenden gehalten oder zur Recherche auf real existierenden Websites aufgefordert. Hier verwischt die Trennung zwischen Spiel und Wirklichkeit – das Spielprojekt steht quasi gleichwertig neben den sonstigen Aufgaben der Teilnehmer.
Serious Gamer vor allem im angloamerikanischen Raum
Verbreitet sind Serious Games vor allem in den USA, Großbritannien und Australien. Das ist in erster Linie historisch begründet, denn es waren zunächst amerikanische Regierungseinrichtungen, allen voran das Militär, die sich auf der Suche nach kostengünstigen Simulationen an die Spieleentwickler wandten. Mit “Army Battlezone” startete Atari bereits in den 80er Jahren ein erstes Serious Game-Projekt, das jedoch unvollendet blieb. 2002 wurde in Washington die Serious Games Initiative gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, neuste Entwicklungen und Technologien der elektronischen Spielbranche einzusetzen, um neue Möglichkeiten der Bildung und Weiterbildung zu eröffnen. Auch die im angloamerikanischen Kulturraum offenere Haltung gegenüber spielerischer Wissensvermittlung mag dazu beigetragen haben, dass sich Serious Games dort schneller durchgesetzt haben.
Serious Games Conference auf der CeBIT
Doch obwohl die Entwicklung in Deutschland etwas verzögert voranschreitet, erkennt man auch hierzulande die Chancen, die Serious Games für Unternehmen, Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt für die elektronische Unterhaltungsindustrie bieten. So treffen seit jährlich Entwickler, Produzenten, Pädagogen und andere Interessierte auf der Serious Games Conference zusammen, um aktuelle nationale und internationale Trends zu diskutieren. Die Konferenz, die von nordmedia (der Mediengesellschaft der Länder Niedersachsen und Bremen) und dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU e.V.) (http://www.biu-online.de) organisiert wird, findet im Rahmen der Computermesse CeBIT statt. Neben den Vorträgen internationaler Sprecher bietet die Serious Games Conference die Möglichkeit, ausgewählte Spiele auszuprobieren. Zum Abschluss der Konferenz wird der Serious Games Award für besonders erfolgreiche und richtungsweisende Serious Games verliehen.
Weitere Informationen zum Thema Serious Games finden Sie hier:
http://www.spielen-verbindet.de/gaming/genrekunde/serious-games.html
