Experteninterview mit Alexander Zacherl

Alexander Zacherl ist Geschäftsführer des Indie Game Studios Bit Barons in München. Er studierte Medienmanagement an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation München und gründete im Anschluss mit seinen Kollegen Sergej Klementinovski und Alexander Widl das Entwicklerstudio Bit Barons. Anfang des Jahres veröffentlichte das junge Team sein erstes Spiel Astroslugs. Auf der Indie Games Summit auf der GDC wird er in einem eigenen Vortrag Einblicke in die Finanzierungsmöglichkeiten von Indie Games geben.

 

In welchem Zusammenhang beschäftigen Sie sich bei Bit Barons mit Indie Games und was für Spiele entwickeln Sie?

Ich bin als Managing Director für alles, was nichts mit dem Programmieren und der Grafik der Spiele zu tun hat verantwortlich. Ich kümmere mich also um die Finanzen, die Verwaltung und andere Aufgaben. Fokus unseres Unternehmens sind Spiele für die digitale Distribution, das heißt Spiele, die im Internet elektronisch runtergeladen, gestreamt oder gespielt werden können. Unser erstes Spiel wurde Anfang 2011 für PC und Mac veröffentlicht und heißt Astroslugs. Es handelt sich dabei um ein Puzzle Game das 2 Jahre in der Entwicklung gedauert hat. Unser nächstes Projekt befindet sich noch in der Konzeptphase, wird aber kein Puzzle Spiel werden. 

 

Wann und wie entstand Ihr Interesse an Indie Games?

Ich spiele schon seit ich denken kann. Vom Genre der Indie Games habe ich aber erst wirklich erfahren, als ich mich entschlossen hatte, meine eigene Firma zu gründen. Inzwischen spiele ich vor allem viele unterschiedliche Games, aber nicht mehr mit der gleichen Intensität. Es wäre vermessen zu behaupten, ich kenne jedes Indie Game, aber ich habe definitiv eine Menge Indie Games gespielt und finde auch, dass auf diesem Markt unglaublich viele spannende Spiele zu finden sind.  

 

Was machen Indie Games für Sie aus?

Für manche Leute ist Indie ein Label für besonders kleine, billige und gleichzeitig innovative Downloadspiele. Für mich bedeutet Indie im Gamesbereich vor allem Unabhängigkeit. Unabhängigkeit von großen Firmen und Financiers, die Einfluss auf das Game Design haben. Das heißt, dass die Macher von Indie Games größere Freiheiten haben und die Spiele so gestalten, wie sie es für richtig halten, da sie keinen externen Einflüssen unterliegen. Indie Games werden meist von einer kleinen Gruppe und mit einem kleineren Budget entwickelt. Besonders wichtig ist auch, dass es sich um sehr innovative Ideen handelt. Viele Indie Game Entwickler haben eine große Leidenschaft für das, was sie tun und machen es nicht nur, weil sie Geld mit ihren Spielen verdienen wollen. Wir wollen natürlich auch Geld verdienen, aber das ist nicht unsere einzige Motivation.

Indie ist ein Weg sich als Entwickler selbst zu definieren. Es ist nicht nur ein Verkaufslabel das man einem Spiel anhängt, sondern es ist vor allem eine Szene, der man sich verbunden fühlt. 

 

Verkauft man also seine Seele, wenn man zu einem großen Konzern wechselt und könnten Sie sich vorstellen bei der Entwicklung von Mainstream Spielen mitzuarbeiten? 

(Lacht) Man verkauft seine Seele nicht, aber zumindest verleiht man sie. Ich kann verstehen, dass man für einen großen Konzern arbeiten will, weil man ein bestimmtes Spiel realisieren will, das so groß und komplex ist, dass man es nicht eigenständig finanzieren kann. Ich bin dennoch der Meinung, dass es immer auch einen anderen Weg gibt. 

Auch wenn die Einstellung von Indie Game Entwicklern eigentlich ist, dass man nur für sich selber und niemand anderen arbeiten will, würde ich hier unter Umständen eine Ausnahme machen. Für mich persönlich gibt es ein oder zwei Games Firmen, für die ich gerne mal arbeiten würde, weil ich finde, dass sie gute Arbeit machen. Es würde mich reizen in einem solchen Konzern für ein oder zwei Jahre zu arbeiten, um einen Einblick in die interne Welt dort zu erlangen. 

 

Wie würden Sie die Entwicklung der deutschen Indie Game Szene beschreiben?

Ich würde sagen, dass sich erst seit diesem Jahr eine wirkliche Indie Game Szene in Deutschland formiert, das heißt, erst jetzt eine Vernetzung stattfindet. Ich arbeite stark an dieser Vernetzung mit. Vor einigen Monaten konnte ich noch nicht einmal sagen, wer im deutschsprachigen Raum überhaupt im Indie Bereich arbeitet. Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr Veranstaltungen, die alle Studios zusammen bringen. In Berlin fand im Juni die Konferenz Indie Connect statt, dann wird im Juli in München das GameCamp und im August in Köln die Indie Game Summit im Rahmen der Games Developers Conference stattfinden. Es bleibt aber noch viel zu tun in Deutschland. 

 

Sie organisieren die Veranstaltungsreihen GameCamp Munich und Global Game Jam Munich, könnten Sie hierzu etwas erzählen?

Das GameCamp Munich organisiere ich bereits im dritten Jahr zusammen mit Florian Bergmann und Nils Hitze. Das GameCamp ist eine Art Unkonferenz oder Barcamp. Das bedeutet, dass es sich um eine Konferenz handelt, wo jeder teilnehmen darf, der teilnehmen will. Die Veranstaltung kostet keinen Eintritt, es gibt kein festes Programm und keine Trennung zwischen Sprechern und Zuhörern. Konkret heißt das, dass sich die etwa 150 Teilnehmer am Morgen treffen und jeder Teilnehmer, den ein bestimmtes Thema interessiert, dieses als Inhalt für einen Vortrag, eine Diskussionsrunde oder einen Workshop vorschlagen kann. Im Anschluss wird über alle Themen abgestimmt und ausgemacht, wann, wie und wo die einzelnen Sessions stattfinden sollen. Das GameCamp Munich ist also eine Möglichkeit gemeinsam über alles, was mit (Indie-) Games zu tun hat, zu reden.

Eine andere interessante Veranstaltung, die ich hier in München organisiere, ist die Global Game Jam. Diese findet mit rund 50 Teilnehmern einmal im Jahr statt – weltweit sind es einige Tausend Teilnehmer. Es geht hierbei darum, dass sich kleine Teams von etwa fünf Leuten zwei Tage lang zusammen setzen und zu einem vorgegebenen Thema unter extremen Zeitdruck ein kleines Game entwickeln. 

 

Ist das Spielen von Indie Games einfach nur ein Zeitvertreib oder gibt es auch Spiele mit einem Lerneffekt? 

Ich weiß, dass Indie Games, genau wie konventionelle Spiele im Unterricht eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist das Spiel Machinarium von Amanita Design. Es handelt sich dabei um ein Adventure, das meinem Wissens nach im Deutsch Unterricht im Zusammenhang mit dem Schreiben von Aufsätzen genutzt wurde. Für mich sind Spiele zwar grundsätzlich immer unterhaltend, sie haben aber auch immer einen Lerneffekt. Das kann eine Hand-Augen-Koordination, eine bestimmte Organisationsfähigkeit oder einfach nur Lesen und Schreiben sein. Man lernt also immer, wenn man spielt, bzw. man kann eigentlich nicht nicht lernen. 

 

Wie sehen Sie die Zukunft von Indie Games?

Glorreich, da ich glaube, dass die Zeiten eigentlich nur noch besser werden. Aufschwung erhalten Indie Games auch durch die heutigen Distributionsmöglichkeiten. Das führte dazu, dass viele Studios heute auch mit einem kleinen und mittleren Budget Spiele veröffentlichen können und somit unabhängig von großen Partnern und Geldgebern sind. Dennoch ist es so, dass die Finanzierungsmöglichkeiten für die Entwicklung von Indie Games noch verbesserungswürdig sind. Aber auch hier sehe ich einen stetigen Fortschritt. Es gibt inzwischen sogar Fonds, die Summen von bis zu 500.000€ bereitstellen, ohne in das Design des Games eingreifen zu wollen – zum Beispiel den IndieFund oder TinyFund. Alles in allem denke ich, dass die Spiele der Zukunft nur noch größer und besser werden.

 

Spielen Verbindet! Trifft dies auch für Indie Games zu?

Ja. Indie Games tendieren eigentlich eher dazu Single Player als Multi Player Games zu sein und deswegen ist es manchmal schwierig sie direkt miteinander zu spielen. Aber natürlich bringen sie Leute zusammen vor den Rechner oder den Fernseher und geben ein Gesprächsthema ab. Also verbinden sie genau wie alle anderen Spiele! 

 

IHR KOMMENTAR

Bitte ergänzen Sie Ihren Kommentar!

 

 

Alexander Zacherl, Geschäftsführer Bit Barons